Translatio und Ideengeschichte

Call for Papers

Internationale Konferenz: Translatio und Ideengeschichte

Universität Warschau, 19.-21. Oktober 2017

 

Die dritte Konferenz aus der Reihe TRANSLATIO setzt die Untersuchungen zur Problematik der interdisziplinären kulturellen Kommunikation – im Bereich von Kunst, Literatur, Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Religion – fort, einer Kommunikation, die mittels des Transfers von literarischen Texten stattfindet, denen im Laufe der Jahrhunderte und in verschiedenen Gesellschaften unterschiedliche Rollen, vom Mythos bis zum Märchen, vom trivialen Diskurs bis hin zum Dogma, zugeschrieben wurden. Das Ziel der Konferenz ist die Reflexion über die Konzeptualisierung und den Prozess der Übersetzung, die selbst sehr weit gefasst wird, von Adaption über Paraphrase und Imitation bis hin zur sog. wörtlichen Übersetzung. Wir möchten nachvollziehen, wie sowohl ältere als auch zeitgenössische Texte, die häufig revolutionäre Ideen und Ansichten bekannt machen, an LeserInnen aus anderen Sprachen und oft auch Kulturen und Zivilisationen übermittelt werden. Auf welche Art, wann und unter welchen Bedingungen erfolgt der Transfer von Texten, die neue Meinungen in ein anderes Polysystem einbringen, d. h. wie entsteht aus Sicht der interlingualen Kommunikation die Ideengeschichte. Wir möchten überlegen, wodurch Transformationen determiniert werden, die bei Übersetzungen den Fluss von Gedanken, Mythen und Ideen in der Literatur, die sehr weit gefasst wird und zu der auch die faktuale Literatur zählt, sowohl in synchroner als auch in diachroner Hinsicht, begleiten. Fremde Ansichten und Gedanken, die wir im Zuge einer Übersetzung in unsere Sprache, Kultur und in unser Bewusstsein einbringen, sind unwiderruflich einer intellektuellen, politischen und kulturellen Bearbeitung unterworfen. Man kann davon ausgehen, dass die Welt der Ideen in den verschiedensprachigen Übersetzungen je nach Epoche und Person des Übersetzers weitreichenden Umgestaltungen unterworfen ist, da Ort und Zeit, ebenso wie Sprache und Kultur, in der eine Übersetzung entsteht, Form und Inhalt der in die Zielliteratur übertragenen Ideen bestimmen und die Struktur bestehender Werthierarchien beeinflussen. Der Transfer von Ideen hat wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung des kollektiven Bewusstseins sowie auf Entwicklung und Veränderungen philosophischer, religiöser oder sozialer Bewegungen. Universale Begriffe sind prinzipiell vieldeutig, ihr Sinn hängt von der jeweiligen Epoche bzw. von ideologisch-weltanschaulichen Faktoren ab – Beispiele dafür sind etwa Wahrheit, Familie, das Gute, Volk, Gleichheit oder Liebe. Diese Mehrdeutigkeit betrifft insbesondere die Werke klassischer Autoren, die in die meisten Sprachen der Welt übersetzt wurden, gleichermaßen jedoch auch zeitgenössische philosophische, politische oder religiöse Texte. In diesen Fällen spielen nicht nur die Epoche und die Zahl der Übersetzungen eine Rolle, sondern auch der Umstand, ob ein Werk kurz nach seinem Erscheinen im Original übersetzt wurde bzw. erst nach Jahrhunderten oder schließlich, was der Grund dafür ist, warum eine Übersetzung spät bzw. niemals offiziell erscheinen konnte (z. B. Zensur, kulturelle oder ideologische Unterschiede).

 

Mögliche Themenbereiche der Konferenz:

  1. Translatio und Politik

– politische Zensur und Selbstzensur

– Verlagspolitik

– Übersetzung in totalitären Systemen

  1. Translatio und religiöse Institutionen

– Übersetzung religiöser und als heilig angesehener Texte

– religiöse Zensur

  1. Translatio und Konventionen

– Kinderliteratur

– Bild der Gesellschaft in der Übersetzung

– sittliche Transformationen in der Übersetzung

  1. Translatio und Geschichte

– Übersetzung und Propaganda

– Übersetzung und Nationalismen

– Übersetzung und patriotische bzw. nationale Narrationen

  1. Imitatio

– bewusste Aufnahme von neuen Elementen intellektueller Verfahren und Techniken

– Ideologisierung von Stereotypen

  1. Translatio und die Materialität der Kommunikation

– Textträger: Buch, Medien, Flugblätter, Internet

– Ideologisierung von Büchern und anderen Textträgern

– Edition und Paratexte

– Rezeption und strukturelle Transformationen von übersetzten Werken

– Auswahl und Umfang von Texten: Gedichtsammlungen, Anthologien etc.

 

Allgemeine Informationen

Organisatoren: Institut für angewandte Linguistik, Fakultät für angewandte Linguistik der Universität Warschau

Konferenzsprachen: Polnisch, Englisch, Spanisch, Russisch, Deutsch (je nach Interesse)

Konferenzbeitrag: 100 EUR

Bankverbindung:

Millenium Bank SA

  1. Stanisława Żaryna 2A

PL- 02-593 Warszawa

 

BIC-Code: BIGBPLPW

IBAN: PL

Kontonummer: 91 1160 2202 0000 00006084 9594

Verwendungszweck: „Translatio i historia idei“

 

Frist für Themenvorschläge (Titel und Abstract, max. 400 Zeichen): 30. April 2017

Anmeldeformular [LINK]

 

Benachrichtigung der angenommenen Vorschläge: bis 15. Mai 2017

Länge der Vorträge: 20 + 10 Min. (Referat + Diskussion)

Bei positiver Begutachtung durch den wissenschaftlichen Beirat der Konferenz ist eine Veröffentlichung der Konferenzakten vorgesehen.

 

Ansprechpartner:

Dr. Eric Stachurski: e.stachurski(at)uw.edu.pl (Kongresssekretariat)

Dr. Markus Eberharter: markus.eberharter(at)uw.edu.pl (Informationen auf Deutsch)

 

Homepage der Konferenz: http://translatio.ils.uw.edu.pl/

Telefon: +48 22 552 60 70 nur im Oktober 2017